Was ist eigentlich ein Beckenschiefstand?

Bild: menschliches Skelett
Menschliches Skelett

Beckenschiefstand hat man schon oft gehört, aber was bedeutet das eigentlich?

Bei einem Beckenschiefstand sind die beiden Beckenhälften gegeneinander verschoben. Eine Seite kippt dabei etwas nach vorne und die andere nach hinten. Dadurch wird ein Bein länger und das andere kürzer. Das nennt man dann Beinlängendifferenz. Man spricht dann auch von einer funktionalen Beinlängendifferenz, weil die Beine nicht tatsächlich anatomisch ungleich lang sind, sondern aufgrund der Beckenstellung nur so aussehen.

Bei einer funktionalen Beinlängendifferenz machen Einlagen, die diese Differenz ausgleichen sollen, keinen Sinn. Das Bein auf der Seite, auf der die Beckenhälfte nach hinten gekippt ist, verkürzt sich. Wenn man dann eine Einlage dort drunter legt, wird das Problem verstärkt. Es gibt verschiedene Einlagen, z.B. auch zur Unterstützung der Fußgewölbe; Einlagen, die eine Beinlängendifferenz ausgleichen sollen, haben damit nichts zu tun.

Das Kreuzbein sitzt zwischen den beiden Beckenhälften und muss sich an die Fehlstellung anpassen. Es kippt und dreht sich leicht. Dadurch entsteht eine Spannung, bzw. eine Blockade in den Iliosakralgelenken, das sind die Verbindungsstellen zwischen den Beckenhälften und dem Kreuzbein. Nach einiger Zeit kann es dort Schmerzen geben. An das schiefstehende Kreuzbein muss sich wiederum die Lendenwirbelsäule anpassen, die Wirbel drehen und kippen ebenfalls. Das Problem setzt sich zum einen weiter nach oben hin bis zum Kopf fort und zum anderen nach unten über die Oberschenkel, die Knie bis zu den Füßen. Durch die funktional ungleich langen Beine werden alle Muskeln und Gelenke ungleich belastet. Es kommt zu einem muskulären Ungleichgewicht und man kann sich vorstellen, dass ein Knie nicht unbedingt begeistert ist, wenn man Jahrzehnte mit einem Beckenschiefstand herum läuft.

In der Osteopathie ist das Becken ein zentraler Dreh- und Angelpunkt, über das schon ganze Bücher geschrieben worden sind.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0